Projektbeschreibung - PASS
50 Tänzerinnen und Tänzer aus 15 Nationen in einem Alter zwischen 4 und 70 Jahren treffen im ehemaligen Transitbereich des Flughafens Tempelhof zusammen, um den Motiven des Ankommens in der neuen und der Abschiebung in die alte Heimat Ausdruck zu verleihen. Tänzerisch spüren sie dem Moment nach, in dem der Pass Garant von Freiheit, Identität und Leben wird. Nach der Uraufführung in Berlin gastiert die Produktion während der Biennale de la Danse in Lyon.
Unsere Identität muss bezeugt werden. Bei Behörden erfüllt diese Funktion der Pass. Ein Bild, ergänzt durch Namen, Anschrift und unveränderliche Kennzeichen des Inhabers. Nur ein Stück Papier, das wenig offenbart, aber doch den Fahrausweis ins Leben bedeuten kann. Wie aber lebt es sich ohne Fahrschein in einem unbekannten Land mit einer fremden Sprache? Verliert man mit seinem Pass auch seine Identität und seine Existenzberechtigung?
In Deutschland lebt eine Vielzahl an Menschen ohne Papiere, die meisten von ihnen in Berlin. Sie werden von den Behörden geduldet, was bedeuten kann, dass sie das Land früher oder später wieder verlassen müssen. Ein Leben auf Zeit, wartend, von Frist zu Frist.
In ihrem Tanztheaterstück PASS berichten die Tänzerinnen und Tänzer der lis:sanga dance company von der Schwierigkeit des Ankommens in der Fremde, vom Umgang mit Behörden und Bleiberecht, von Trennung, Kampf, Hoffnung und Einsamkeit – und der Sehnsucht nach Heimat. Dabei kann das Ensemble an Erfahrungen und an Biografien aus ihren eigenen Reihen anknüpfen: die Migranten unter ihnen kennen den langen und belastenden Weg durch Paragraphen, Ämter und Befragungen.
Mit PASS greift die lis:sanga dance company unter der künstlerischen Leitung von Lenah Strohmaier ein politisch brisantes Thema aus ihrer eigenen Mitte auf und übersetzt es in ihre eigene ästhetische Bühnensprache, die von den verschiedenen Tanzstile der Ensemblemitglieder – teils aus den jeweiligen Heimatländern, teils von der Straße her – geprägt ist. Die bildhaften tänzerischen Szenen interagieren dabei mit den filmischen Sequenzen der Videokünstlerin Anna Henckel-Donnersmarck und der Musik von Robert Schumann und Franz Schubert, vorgetragen u.a. von der Pianistin Raminta Lampsatis. Mit dem Transitbereich des Flughafens Tempelhof hat das zentrale Motiv von PASS seine ideale räumliche Entsprechung gefunden. Für ein Wochenende wird er wiederbelebt und unter den Bewegungen des multikulturellen Ensembles zur getanzten Heterotopie.
Die lis:sanga dance company (lingála für Gemeinschaft und Zusammenhalt) wurde 2006 im Anschluss an das generationsübergreifende Tanztheaterprojekt KRIEG auf Wunsch aller Beteiligter gegründet. Sie umfasst inzwischen ca. 60 Mitglieder im Alter zwischen 8 und 80 Jahren mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen und Asylbewerbern und ist zu einer festen Gemeinschaft mit eigenem künstlerischem Anspruch herangereift, die sich mit ihren Projekten zugleich gesellschaftspolitisch engagiert.Idee & Choreografie: Lenah Strohmaier Video: Anna Henckel-Donnersmarck Musikalische Leitung: Raminta Lampsatis Szenografie & Kostüm: Ruth Pulgram · Unter der Schirmherrschaft des britischen Choreografen Royston Maldoom.
Premiere am 27. August 2010 um 20.30 Uhr
Weitere Vorstellungen am 28. und 29. August jeweils um 20.30 Uhr
Flughafen Tempelhof / Transitbereich
Treffpunkt: Haupteingang
Eintritt: 13 € / erm. 8 €
Tickets: pass@lissanga-dance-company.org oder 0178 – 459 30 10
Flyer
